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Der I. Weltkrieg

Bis zum Jahr 1914 entwickelte sich der Appretur- und Färbebetrieb hervorragend. Als im Jahre 1914 der I. Weltkrieg ausbrach, hatte dieses dramatische Ereignis gravierende Auswirkungen auf den Betrieb von Walther Steiger.

 

Die Heeresverwaltung Berlin ordnete an, jede verfügbare Arbeitskraft für die Produktion von Rüstungsgütern abzustellen. Im Betrieb waren etwa 300 Arbeitskräfte beschäftigt.

Systematisch wurden alle Betriebe dahingehend überprüft, ob eine Rüstungsproduktion möglich war. Walther Steiger wurde von der Heeresverwaltung in Berlin verpflichtet, Jagdflugzeuge instand zu setzen, da im Betrieb von Anfang an auch „Kaliko“ hergestellt wurde. Kaliko ist ein sehr stabiler Tuchstoff, der hauptsächlich als Bucheinbandstoff verwendet wurde. Das robuste Textilmaterial eignete sich aber auch gut zum Bespannen von Flugzeugen. Die Doppel- und Dreideckerflugzeuge waren aus einem Holzgerüst aufgebaut. Das Gerippe wurde mit „Kaliko“ bespannt. Um den bespannten Stoff weiter zu festigen, wurde dieser mehrmals mit Spannlack behandelt. So wurde zudem die Bespannung luftundurchlässig. Um diese militärische Aufgabe erfüllen zu können, wurde östlich des Betriebs auf dem freien Wiesengelände eine Flugzeughalle erstellt. Kurz danach wurde gegenüber der Flugzeughalle am „Vicinalweg“, so hieß damals die Straße nach Laupheim, eine weitere Halle  gebaut. Sie wurde wie die erste Halle in leichter und billiger Weise aus Holz erstellt.

Ein "Albatros" vor den neuen Werkshallen.

 

Ein weiterer Vorteil des 1906 gekauften Geländes zahlte sich aus; das Rottal, das sich über ca. 5 Kilometer südlich des Betriebes als freies Wiesengelände erstreckt, eignete sich sehr gut als Rollfeld für die Flugzeuge. Der etwa 200 Meter nördlich des Betriebes gelegene Bahnhof der Nebenstrecke Laupheim-Schwendi erwies sich für das Militär als weiterer strategischer Vorteil. Dazu kam die flache Bauweise der Fabrik- und Flugzeughallen, die aus der Luft nur schwer als Rüstungsbetrieb auszumachen waren. Die regenerative Wasserkraft sicherte eine unabhängig Energie.

Eie ersten gelandeten Flugzeuge erregten noch Aufsehen in Burgrieden.

Die Vorteile der Zusammenarbeit mit Walther Steiger erkannte die Heeresverwaltung rasch. Er wurde zu weiteren Aufgaben verpflichtet. Das Militär stellte ihm Dreh-, Bohr- und Fräsmaschinen zu Verfügung, um die Produktion von Bombenzündern und Granaten voranzutreiben. Bis Kriegsende wurden in Burgrieden mehrere Zehntausend Granaten und Bombenzünder hergestellt. Die Belegschaft des  Betriebs wuchs damit um mehr als das  Doppelte.

 

Mutige Werbung, Flugzeuge wurden nur repariert, Motorschlepper wurde nur einer gebaut und Personenwagen waren in Planung.

In Burgrieden wurden im I. Weltkrieg insgesamt 278 Jagdflugzeuge instandgesetzt. So schrieb es ein ehemaliger Mitarbeiter in den 60er Jahren an einen Kollegen. Kurz vor Kriegsende hatte die Heeresverwaltung in Berlin beschlossen, daß 400 Metallflugzeuge hergestellt werden sollten. Dieser Großauftrag wurde dann durch den Versailler-Vertrag verhindert.

 

Die Gemeinde Burgrieden blieb während des I. Weltkriegs von Feindeinwirkung verschont und mußte keine Verluste verzeichnen.

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