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Bericht in der Schwäbischen Zeitung am 01.03.2012

Ein Schatz mit Namen Steiger

Michael Schick erwirbt einen Motor des Burgrieder Autoherstellers von 1920

LAUPHEIM Michael Schick hat einen Schatz gefunden, und der trägt den Namen Steiger. Vier Zylinder in Reihe, Königswelle, 2,6 Liter Hubraum: Der Schatz ist ein komplett erhaltener Motor von 1920, gebaut in der Autofabrik Steiger in Burgrieden, der nur ein kurzes Leben vergönnt war, wiewohl ihre Wagen als „schwäbische Bugattis“ gerühmt wurden.

Seit seiner Jugend beschäftigt sich Schick (43) mit der Geschichte dieses Unternehmens. Er recherchierte in Archiven, Museen und der Oldtimer-Szene, befragte Zeitzeugen und schrieb eine Firmenchronik, für die er 1998 den Landespreis für Heimatforschung erhielt. Bis heute sammelt er alles zum Thema Steiger. Am vergangenen Wochenende hat er einen Haupttreffer gelandet.

Wer Schicks Homepage anklickt (www.dersteiger.de), wird schnell gewahr: Dahinter steckt ein Kenner von hohen Graden. Das hat sich wohl auch ein Familienvater aus Bonndorf gedacht. Am Freitag mailte er dem Laupheimer: „Habe einen Steiger-Motor auf meinem Baugrundstück ,übernommen‘. Der Motor lag Jahrzehnte in einem Schuppen und nun schon einige Zeit im Freien (…) Haben Sie Interesse?“

Und ob! Schick ist wie elektrisiert. Er leiht sich den Anhänger eines Nachbarn, programmiert sein Navigationsgerät und eilt in das Schwarzwaldstädtchen. Was er vorfindet, begeistert ihn. Der von Steigers Konstrukteur Paul Henze entwickelte Motor ist verschmutzt, aber vollständig erhalten; das Gehäuse schadlos, alle Schrauben gehen auf. „Ein Sensationsfund.“

Mit dem Frontlader wird der Motor auf den Anhänger gehievt. Nach einer Tasse Kaffee und dem geschäftlichen Teil tritt Schick den Heimweg an. Über den Preis sagt er nichts, nur so viel: „Der Verkäufer war zufrieden, dass er am Samstagnachmittag für einen alten Motor so viel bekommen hatte, und ich war zufrieden, dass der Motor nun mir gehört.“

Am Sonntag entfernt er sorgfältig den groben Schmutz und konserviert das Prachtstück mit feinem Sprühöl. Er will die Maschine restaurieren, jedoch unter denkmalschützenden Prämissen. Mögen andere Sammler ihre Stücke modernisieren und auf Hochglanz trimmen, „meinem Motor darf man das Alter ruhig ansehen“. Flugrost und Patina sollen vom schweren Arbeitsleben des Benziners mit der Seriennummer 761 künden.

Der Urgroßvater des Mannes, der ihm jetzt den Motor verkaufte, besaß einen Steinbruch bei Bonndorf und wollte als zweites Standbein ein Taxiunternehmen gründen. Zu diesem Zweck erwarb er einen Steiger-Tourenwagen 10/50 PS, ein offener Viersitzer mit Schlechtwetterverdeck. Aus dem Taxibetrieb ist nichts geworden, stattdessen wurde das Auto im Steinbruch eingesetzt. Der Besitzer fixierte das Fahrzeug und trieb über ein Hinterrad mithilfe eines Riemens einen Steinbrecher an. Später diente der Wagen als Lastesel für den Transport von Steinen auf der Straße. Als das Differenzialgetriebe an der Hinterachse streikte, wurde der Steiger ausgemustert – den Hersteller und Ersatzteile gab es in den 1930er-Jahren schon nicht mehr. Der Motor, der immer noch problemlos lief, wurde aus dem Chassis genommen, mit einem Riemenantrieb kombiniert – und erneut verlieh er dem Steinbrecher Kraft.

Irgendwann landeten der Motor und andere Teile des Steigers in einer Hütte auf dem Steinbruchgelände. 2008 machte der Urenkel das Areal als Bauplatz nutzbar. Blechteile, Rahmen und Armaturentafel wanderten auf den Schrottplatz, der Motor aber überdauerte in der Nachbarschaft eines Holzstapels – bis zum vergangenen Wochenende.

Jetzt ist der Vierzylinder aus Grauguss und Alu neuer Mittelpunkt in Michael Schicks Sammlung, zu der auch ein original Motorenbock gehört, auf dem die Aggregate im Burgrieder Werk montiert wurden. Die Steiger-Gemeinde, per Internet über den Fund informiert, ist verzückt. „Ich bekomme Gratulationen, als ob ich gerade geheiratet hätte“, sagt Schick. Er will den Motor interessiertem Publikum zugänglich machen, ihn vielleicht als Dauerleihgabe ausstellen. Vielleicht darf das Kraftpaket eines Tages ja auch wieder in einem restaurierten Steiger werkeln. Ein Schatz findet sich dann und wann...

(Erschienen: 29.02.2012 23:45

 

Steiger 10/50 PS Motor aufgetaucht.

Solch ein Ereignis habe ich in meiner mehr als 20 jährigen Suche nach Steigerteilen noch nie erlebt und eine solche Situation wird sich sicher nicht so schnell wieder ergeben. Wie in den Bildern unten ersichtlich ist am 25. Februar ein Motor entdeckt worden der sich nun in meinem Besitz befindet. 

Möglich gemacht hat dies Herr R. M. aus dem Schwarzwald. Ihm gebührt besonderer Dank! Er hatte den Motor auf dem Grundstück neben einem Brennholzstapel gelagert. Auf dem Grundstück wo sein schmuckes neues Haus steht war früher eine Kiesgrube welche von seinem Vater betrieben wurde. Dort war der Steiger-Motor als Stationärmotor eingesetzt und lieferte seine Kraft an einen Steinbrecher. Der Betrieb wurde vor einigen Jahren eingestellt und das Gelände zurückgebaut. Nachdem nun die Pläne zum Neubau eines Wohnhauses da waren wurde die Hütte in der der Motor war abgerissen und entsorgt. Leider sind hier vermutlich noch weitere Teile des Steigers in die Schrottpresse gewandert.

Herr R. M. suchte nun im Internet nach Steiger und so ist das folgende E-Mail an mich gekommen:

Sehr geehrter Herr Schick, 

bin auf Ihre HP "DerSteiger" aufmerksam geworden.

Habe einen Steiger Motor auf meinem Baugrundstück "übernommen",

er war als Antrieb für einen Steinbrecher in einem Steinbruch eingesetzt.

Der Motor lag Jahrzehnte in einem Schuppen und nun schon einige Zeit im Freien...haben Sie Interesse an dem Motor?

Mit freundlichen Grüßen

R. M.

 Wie meine Antwort und mein Puls war brauche ich nicht zu beschreiben. Nach dem ersehnten Anruf wurde der Anhänger angekuppelt das Navi programmiert und ab ging's in den Schwarzwald.

Der Steiger-Motor erwatete mich mit dem Besitzer bereits im Hof und mit Hilfe eines Traktors mit Frontlader wurde der Motor auf den Anhänger gehievt.

Bei dem Motor handelt es sich um ein frühes Baujahr. Die Seriennummer ist 761 wobei die Produktion mit der Nummer 500 begonnen hatte. Der Motor dürfte etwa 1920 hergestellt worden sein.

So lag der Motor hinter dem Holzstapel. Das erste Bild

 

Fertig verladen und verzurrt, so ging es Richtung Laupheim.

Hier ein paar Bilder des Motors nach der ersten behutsamen Reinigung.

 

 

Hier ein paar Detailansichten.

Heute (02.03.2012) habe ich den Nockenwellendeckel abgenommen! Schaut euch mal das Teil an und wie gut erhalte sie ist. Leichter Flugrost an den Schrauben und Stößeln, das ist alles!!!

 

Hier die Geschichte zu dem Motor

Die Geschichte zu dem Steiger-Wagen, bei welchen nur der Motor überlebte begann Ende der 20 Jahre im kleinen Schwarzwaldstädchen Bonndorf.

 

Der Besitzer eines Steinbruches ahnte einen neuen Geschäftszweig und wollte einen Taxibetrieb aufbauen. Der Bahnhof in Bonndorf war Endstation und so ahnte der Geschäftsmann eine weitere Einnahmequelle.

 

Für das Vorhaben erwarb er einen Steiger-Tourenwagen 10/50 PS. Das Fahrzeug war vermutlich 1920  oder 1921 als 261 Autohergestellt worden. Die Seriennummer des Motors ist 761 wobei die Produktion mit der Nummer 500 begonnen hatte. Die Bauweise des Kühlers war noch in der frühen Art mit dem rund gebogenen Spitzkühler. Auf dem Folgenden Bild ist ein Vergleichsfahrzeug abgebildet.

 

Warum der Taxibetrieb nie aufgenommen wurde konnte mit der Urenkel nicht mehr sagen. Aus Erzählungen weis er dass der Steigerwagen in abenteuerlicher Weise im Steinbruchbetrieb eingesetzt wurde. Der Betreiber fixierte das Fahrzeug und trieb über ein Hinterrad, an welchen vermutlich der Reifen abmontiert wurde, einen Steinbrecher über einen Riemen an. Diese Konstruktion hielt wohl einige Zeit stand. Nach dem Stationäreinsatz wurden dann das normale Rad wieder montiert um das Fahrzeug im Straßenverkehr verwenden zu können. Der Steinbruchbesitzer soll mit dem Steiger sogar seine Ware, also Steine ausgeliefert haben. Ob er hierzu die Karosserie geändert hatte um einen Pick-Up zu haben ist nicht bekannt aber zu vermuten. Viele andere Steigerwagen wurden auf diese weise noch als Klein-LKW  eingesetzt.

 

Der schwere Steinbrechereinsatz ging nicht Spurlos an dem Wagen vorbei. So wurde ein Defekt am Differenzialgetriebe an der Hinterachse festgestellt und der Steiger war nicht mehr fahrbereit. Ersatzteile gab es zu der Zeit in den 30er Jahren schon lange nicht mehr.

 

Der Besitzer des Steinbruches musste nun umdenken und bastelte den Motor aus dem Chassis. Der Motor lief bis dahin ohne Probleme. In der Folge wurde ein Betonfundament hergestellt auf welchen der Motor in einer Halterung montiert wurde. Das Getriebe wurde entfernt eine Riemenscheibe, welche an der Hauptantriebsachse nach der Kupplung montiert. Über diesen Riemenantrieb wurde nun der Steinbrecher betrieben. Der Handbremshebel vom Fahrzeug diente nun als Handgriff für die Kupplung.

 

Auch wurde die Lichtmaschine entfernt und der Motor ausschließlich über Magnetzünder betrieben. Um einen Ölverlust zu vermeiden wurde kurzerhand die Ritzelöffnung am hinteren Nockenwellengehäuße zu geschweißt.

 

Wie lange der Motor letztendlich so in Betrieb war ist nicht bekannt. Die folgenden Jahrzehnte bis etwa 2008 war der Motor mit weiteren Teilen des Steigers in einer Hütte auf dem Gelände des Steinbruches. Der Urenkel des Besitzers nutze das Familieneigene Grundstück und machte es als Bauplatz nutzbar. In der Folge wurden die Überreste des Steinbruchbetriebes entsorgt. Der Rahmen, Blechteile, Armaturentafel wurde dem örtlichen Schrotthändler übergeben der die ragen Steigerteile nach Kilogramm abrechnete.

 

Der Motor hat die folgenden Jahre in der Nachbarschaft eines Holzstapels überlebt wo er zum Teil unter einer Plane durch die Witterung geschützt war. Durch Recherchen im Internet ist der Enkel auf die Homepage der Autofirma Steiger gestoßen. Ein Mail an info@steiger-burgrieden.de am 24.02.2012 brachte die Sache in Rollen. Mit höchster Spannung erwatete ich den Rückruf aus dem Schwarzwald. Eine freundliche Stimme bestätigte den Fund. Die Beschreibung am Telefon und ein Foto per Mail bestätigten den Sensationsfund.

 

Der Besitzer organisierte aus der Nachbarschaft einen Traktor mit Frontlader und ich machte mich mit dem Anhänger meines Nachbarn auf den Weg. Zweistunden und vierzig Minuten sagte mir das Navi und genau um 16 Uhr am Samstagnachmittag fand ich die idyllische Adresse in dem Schwarzwaldstädchen.

 

Der Motor wurde mit dem Frontlader auf den Anhänger gehievt und gut verzurrt. Nach einer Tasse Kaffee der Übergabe eines der letzten Steigerbücher und dem geschäftlichen Teil wurde die Rückfahrt angetreten.

 

Was der Motor gekostet hat ….? Nun der Verkäufer war zufrieden, dass er am Samstagnachmittag für einen alten Motor so viel bekommen hatte und ich war zufrieden, dass der Steigermotor nun mir gehört.

 

Bereits bei der Rückfahrt zeigte der Motor erste Lebenszeichen indem der Fahrtwind das Lüfterrad in ständiger Bewegung hielt.

 

Der Motor wurde am kommenden Sonntagmorgen vom groben Schmutz sorgfältig gereinigt und mit Hilfe feinen Sprühöls konserviert. Ziel ist es den Motor wieder lauffähig zu machen. Er soll auch restauriert werden, aber unter dem Augenmerk des Denkmalschutzgedanken! Der optische Zustand soll „eingefroren“ werden und die Patina die schweren Jahre des Motors dokumentieren.. Die Technik wird gangbar gemacht, aber nicht modernisiert. So soll er bereit stehen für einen möglichen Wiederaufbau eines Steigerfahrzeuges.

 

Ich werde versuchen den Motor Interessenten zugänglich zu machen, ob als Dauerleihgabe nach Burgrieden oder in einem Autohaus oder bei mir Privat ist noch nicht sicher. Sicher ist dass der Motor bei meiner Steigersammlung bleibt.

 

Zu guter Letzt ist an dieser Stelle nochmals dem Besitzer zu danken, dass er sich so unkompliziert und freundlich von dem Steigermotor trennte. Er hat durch sein Tun erheblich zur Erhaltung historischer Technik beigetragen.

 

* * *

 

 

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