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Das Ende der Steiger AG

Nach einer finanziellen Krise mußte sich die Firmenleitung nach neuen Geldgebern umsehen. Eine Finanzspritze kam von dem jungen Fabrikanten Hans Adeneuer aus Elberfeld, der sich mit 48 % Aktienanteile einkaufte. Er war Vorstand bei der Kosmos A.G. Saarbrücken. Der Karosseriebauer Hans Neuer beschreibt diesen Vorgang in einem Brief :  

Die Steigergruppe machte es diesem neuen Mitarbeiter nicht leicht, so dass Hans Adeneuer sich auf Umwegen die Aktienmehrheit erwarb. Dadurch kam es zu einem Prozess, dabei bekam der Kläger Steiger zwar recht, war jedoch ein armer Mann. So kam die Steiger A.G. bald unter Geschäftsaufsicht, um einen Konkurs zu verhindern, jedoch war dieser durch den Eigensinn der Steigergruppe nicht mehr aufzuhalten. Leider siegte die Unvernunft zum Nachteil derjenigen, die sich am Entstehen dieses einmaligen, so gut gelungenen in verhältnislässig kurzer Zeit entstandenen Automobils mit Geist und Händen beteiligt haben

Nach der Stillegung der Steiger AG am 9. Januar 1926, gründete Walther Steiger die „Walther Steiger & Co. GmbH“ aus seinem noch verbliebenen 15 % Anteil.

Ab 1. März 1926 wurde in Burgrieden und Neu-Ulm beschränkt weitergearbeitet. Es wurden noch wenige Fahrzeuge aus Ersatzteilen und Restposten zusammengebaut. Außerdem wurden noch wichtige Ersatzteile hergestellt, um Reparaturen ausführen zu können. Danach wurden die Betriebe stillgelegt.

Die insgesamt 195 Gläubiger, mit der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank München als Hauptgläubiger, verkauften den gesamten Maschinenpark an das Konsortium der Maschinenhandlungen Rosenau AG in Düsseldorf, Schack & Co. in Frankfurt und Max Strauß in Karlsruhe, Steiger & Co. GmbH und August Welte in Neu-Ulm.

 

Der Neu-Ulmer Schmiedemeister und Maschinenhändler August Welte verkaufte eine größere Anzahl aus dem ehemaligen Steiger-Maschinenpark an die in Untersulmetingen bei Laupheim neueröffnete Firma Georg  Lindenmaier. Wie der Sohn von August Welte sen., August Welte jun. berichtet, habe sein   Vater ab 1933 regelmäßig Metallbearbeitungsmaschinen nach Untersulmetingen geliefert. Die geschäftliche Beziehung wurde aber am einjährigen Jubiläum der Firma Lindenmaier beendet. Denn kein Arbeiter war an dem „Festtag“ bereit, beim Abladen einer Maschine zu helfen, die August Welte liefern wollte. Die vergebliche Fahrt von Neu-Ulm nach Untersulmetingen verärgerte den Maschinenhändler derart und er sagte,: „Der Lindenmaier griagt nix meh vom mir.“

Die Karosseriefabrik Neuer & Thieme wurde im Jahr 1928 geschlossen. Grund waren mangelnde Aufträge, denn zuvor waren 95 % der Karosseriearbeiten von der Steiger AG gekommen. Der Betrieb wurde nach der Stillegung vom Ulmer Karosseriebauer Karl Kässbohrer übernommen. Die mit übernommene Arbeiterschaft und der Maschinenpark waren für die Firma Kässbohrer ein Sprungbrett. Das Prinzip der selbsttragenden Karosserie wurde 1923 erstmals von dem italienischen Hersteller Lancia mit der Baureihe „Lambda“ verwirklicht. Zehn Jahre später gewann die revolutionäre Idee weltweit immer mehr an Bedeutung und fand bei vielen Herstellern Eingang in die moderne Personenwagenfertigung. Die Firma Karl Kässbohrer, zunächst Hersteller von konventionell gebauten Nutzfahrzeugen, übernahm Lancias Idee und entwickelte als erster Hersteller diese Technik im Omnibusbau. Kässbohrers neue Baureihe „SETRA“ (selbsttragend genannt) war eine außergewöhnliche Pionierleistung im modernen Omnibusbau. Der Großbetrieb gilt heute als das führende Unternehmen in diesem Industriezweig.

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